Technologie

Elektrochemische Aktivierung: vom Salz zum Desinfektionsmittel.

Wir erklären Schritt für Schritt, wie aus Salz, Wasser und Strom in einer Zelle hypochlorige Säure entsteht, warum sie wirksam ist und welche Bedingungen das Ergebnis bestimmen. Die Quellen zu jeder wissenschaftlichen Aussage finden Sie am Ende der Seite.

14 Min. Lesezeit

Auf dieser Seite
  1. Kurze Geschichte
  2. Was ist Elektrolyse?
  3. Elektrochemischer Reaktor
  4. An der Anode: HOCl
  5. An der Kathode: NaOH
  6. pH und Chlorformen
  7. Warum wirkt HOCl?
  8. Redoxpotenzial (ORP)
  9. Biofilm
  10. Nebenprodukte
  11. Vergleich
  12. Im System
  13. Glossar

Kurz gesagt

  • Elektrochemische Aktivierung (ECA) ist die Elektrolyse einer verdünnten Natriumchloridlösung mit Gleichstrom in einer Zelle mit Diaphragma.
  • Im Anodenraum entsteht ein Anolyt mit überwiegend hypochloriger Säure (HOCl), im Kathodenraum ein Katolyt mit Natriumhydroxid (NaOH).
  • Der Großteil der Desinfektionswirkung von Chlor geht auf die HOCl-Form zurück; ihren Anteil bestimmt der pH-Wert des Wassers [1][2].
  • Wird das Desinfektionsmittel frisch vor Ort erzeugt (On-Site Generation), lassen sich Nebenprodukte wie Chlorat vermeiden, die sich in gelagertem Hypochlorit mit der Zeit anreichern [5].
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Kurze Geschichte

Das Konzept der elektrochemischen Aktivierung entstand in den 1970er-Jahren in Taschkent durch die Arbeiten von V. M. Bachir und seinem Team; der Begriff „elektrochemische Aktivierung“ wird seit 1977 verwendet. Die ersten Anwendungen lagen im industriellen Bereich, etwa in der Aufbereitung von Bohrspülungen durch Elektrolyse statt durch chemische Zusätze.

In den 1980er- und 1990er-Jahren fand das Verfahren Eingang in die medizinische Desinfektion, die Lebensmittelverarbeitung und die Wasseraufbereitung. Heute wird elektrolysiertes Wasser in der begutachteten Fachliteratur ausführlich als Desinfektionsverfahren für die Lebensmittelindustrie untersucht, dessen einziger chemischer Einsatzstoff Salz ist und das sich direkt am Verwendungsort herstellen lässt [8].

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Elektrolyse: von elektrischer Energie zur chemischen Reaktion

Bei der Elektrolyse wird Gleichstrom durch eine ionenhaltige Lösung geleitet, um Reaktionen zu erzwingen, die nicht von selbst ablaufen würden.

Die Zelle hat zwei Elektroden. Die mit dem Pluspol der Stromquelle verbundene Anode nimmt Elektronen auf; hier findet die Oxidation statt. Die mit dem Minuspol verbundene Kathode gibt Elektronen ab; hier findet die Reduktion statt.

In Salzwasser transportieren Ionen den Strom: Positiv geladene Natriumionen (Na⁺) wandern zur Kathode, negativ geladene Chloridionen (Cl⁻) zur Anode. An den Elektroden nehmen diese Ionen und die Wassermoleküle Elektronen auf oder geben sie ab und werden so zu neuen Stoffen umgesetzt.

Wie viel Stoff entsteht, bestimmt das Faradaysche Gesetz: Die Produktion ist proportional zur elektrischen Ladung, die durch die Zelle fließt. In realen Zellen geht ein Teil des Stroms in Nebenreaktionen wie die Sauerstoffentwicklung; der Anteil, der in das gewünschte Produkt fließt, heißt Stromausbeute.

Faradaysches Gesetz

m = Q · Mz · F

  • m: erzeugte Masse (g)
  • Q: geflossene Ladung (C) = Stromstärke (A) × Zeit (s)
  • M: molare Masse (g/mol)
  • z: Zahl der Elektronen in der Reaktion
  • F: Faraday-Konstante = 96.485 C/mol

Beispiel: Eine Ladung von 1 Amperestunde (3.600 C) kann theoretisch höchstens rund 1,32 g Oxidationsmittel (als Chloräquivalent) erzeugen. Die tatsächliche Produktion entspricht der Stromausbeute.

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Das Aquamirus E.C.A.-System: elektrochemischer Reaktor mit Diaphragma

Das Herzstück des Aquamirus E.C.A.-Systems ist ein elektrochemischer Reaktor mit Diaphragma, der Salzwasser in zwei getrennte Produkte umwandelt. Anoden- und Kathodenraum sind durch ein keramisches Diaphragma getrennt; der überwiegend aus hypochloriger Säure bestehende Anolyt und der natriumhydroxidhaltige Katolyt werden ohne Vermischung als getrennte Ströme entnommen.

Der Reaktor arbeitet im Durchfluss (Flow-through): Das Salzwasser strömt kontinuierlich durch den Reaktor, und die elektrochemische Umwandlung findet während dieses Durchgangs statt. ECA-Reaktoren sind in der Regel koaxial-zylindrisch aufgebaut: in der Mitte die Anode, außen die Kathode, dazwischen ein poröses Keramikdiaphragma. Die Anschlüsse an beiden Enden des Reaktors führen die Zu- und Ablaufleitungen der beiden Räume.

Das Diaphragma trennt nicht nur die Produkte; es ist auch der Schlüssel dazu, den pH-Wert des Anolyts in dem Bereich zu halten, in dem hypochlorige Säure überwiegt [1]. Die Reaktoren sind modular: Wächst der Bedarf der Anlage, wird die Kapazität durch den gemeinsamen Betrieb mehrerer Reaktoren erhöht.

Nach Herstellerangaben wurden mit der ECA-Technologie bisher mehr als eine Million Reaktoren gefertigt; die in Aquamirus E.C.A.-Systemen eingesetzten Reaktoren der neuesten Generation werden seit 2011 hergestellt.

Zylindrischer elektrochemischer Reaktor des Aquamirus E.C.A.-Systems mit Zu- und Ablaufanschlüssen an beiden Enden
  • Durchfluss (Flow-through)Das Salzwasser strömt kontinuierlich durch den Reaktor; die Erzeugung startet und stoppt nach Bedarf.
  • Mit DiaphragmaEin keramisches Diaphragma trennt Anoden- und Kathodenraum voneinander.
  • Zwei getrennte AusgängeAnolyt (HOCl) und Katolyt (NaOH) werden über getrennte Leitungen entnommen.
  • ModularDie Kapazität wird durch den gemeinsamen Betrieb mehrerer Reaktoren erweitert.
FIG. 01 · ELEKTROCHEMISCHER REAKTOR VON AQUAMIRUS E.C.A. Abbildung: technische Dokumentation des Herstellers.
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An der Anode: Bildung hypochloriger Säure

Im Anodenraum geben Chloridionen Elektronen ab und werden zu Chlor; das Chlor reagiert sofort mit Wasser zu hypochloriger Säure.

Hauptreaktion 2Cl⁻ → Cl₂ + 2e⁻Cl₂ + H₂O ⇌ HOCl + H⁺ + Cl⁻
Nebenreaktion (Sauerstoffentwicklung) 2H₂O → O₂ + 4H⁺ + 4e⁻

Beide Reaktionen setzen H⁺-Ionen frei; deshalb sinkt der pH-Wert des Anolyts. Dieser Abfall ist erwünscht: Hypochlorige Säure ist bei niedrigem bis nahezu neutralem pH die vorherrschende Form [1].

Sinkt der pH-Wert zu stark (etwa unter 3), verschiebt sich das Gleichgewicht hin zu gelöstem Chlor (Cl₂); Chlorgas beginnt aus der Lösung zu entweichen. Ziel einer gut ausgelegten Zelle ist es, den Anolyt im Bereich zu halten, in dem HOCl überwiegt. Das bestimmen Salzkonzentration, Stromstärke und Durchfluss gemeinsam.

Fahren Sie über ein Bauteil oder tippen Sie darauf, um die Erklärung zu sehen.

DC + − ANODE (+) KATHODE (−) DIAPHRAGMA Cl⁻ HOCl Na⁺ OH⁻ NaOH HOCl NaOH H₂ NaCl + H₂O 1 2 3 4 5 6 7 8
FIG. 02 · ELEKTROCHEMISCHE AKTIVIERUNG · ZELLSCHNITT

Anodenseite · HOCl

  1. Anode (+)

    Die positive Elektrode. Chloridionen (Cl⁻) geben hier Elektronen ab; das entstehende Chlor reagiert mit Wasser zu hypochloriger Säure (HOCl).

    2Cl⁻ → Cl₂ + 2e⁻ · Cl₂ + H₂O → HOCl + HCl

  2. HOCl-Ausgang · Anolyt

    Das Hauptprodukt: eine von hypochloriger Säure dominierte Oxidanslösung, die zur Desinfektion in Tank und Dosierleitung geht.

Kathodenseite · NaOH

  1. Kathode (−)

    Die negative Elektrode. Wassermoleküle nehmen Elektronen auf; es entstehen Wasserstoff und Hydroxidionen (OH⁻). OH⁻ bildet mit dem durch das Diaphragma wandernden Na⁺ Natronlauge (NaOH).

    2H₂O + 2e⁻ → H₂↑ + 2OH⁻ · Na⁺ + OH⁻ → NaOH

  2. NaOH-Ausgang · Katholyt

    Das zweite Produkt: Natronlauge. Sie lässt sich vor Ort für alkalische Reinigung (CIP) und pH-Korrektur nutzen.

  3. H₂-Ableitung

    Der an der Kathode entstehende Wasserstoff wird abgetrennt und kontrolliert abgeleitet.

Zelle

  1. Diaphragma

    Trennt Anoden- und Kathodenraum. Es lässt Natriumionen (Na⁺) zur Kathode durch und hält die beiden Produkte getrennt.

  2. Soleeinlauf

    Enthärtetes Wasser und Natriumchloridlösung (NaCl) werden beiden Kammern zugeführt.

  3. DC-Netzteil

    Speist Gleichstrom in die Zelle; die Erzeugung folgt dem gemessenen Bedarf.

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An der Kathode: Natriumhydroxid und Wasserstoff

Im Kathodenraum nehmen Wassermoleküle Elektronen auf; es entstehen Wasserstoffgas und Hydroxidionen. Zusammen mit den Natriumionen, die durch das Diaphragma wandern, ergibt sich Natriumhydroxid (Natronlauge).

Kathodenreaktion 2H₂O + 2e⁻ → H₂↑ + 2OH⁻Na⁺ + OH⁻ → NaOH

Der Katolyt ist eine alkalische Lösung mit hohem pH-Wert. Er wird in einem eigenen Tank gesammelt und kann im Betrieb für die alkalische Reinigung (CIP-Schritte, Lösen von Fett und organischen Verschmutzungen) sowie in geeigneten Prozessen zur pH-Korrektur genutzt werden.

Der an der Kathode entstehende Wasserstoff ist ein Sicherheitsparameter: Seine untere Explosionsgrenze in Luft liegt bei rund 4 Vol.-%. Deshalb wird das Gas am Zellausgang von der Flüssigkeit getrennt, durch Belüftung verdünnt und kontrolliert ins Freie abgeführt.

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Der pH-Wert bestimmt, in welcher Form Chlor vorliegt

Chlor, das dem Wasser zugegeben wird, bleibt nicht ein einzelner Stoff; es verteilt sich je nach pH-Wert auf hypochlorige Säure (HOCl) und Hypochlorit-Ion (OCl⁻).

Gleichgewicht HOCl ⇌ H⁺ + OCl⁻ pKa ≈ 7,5 (25 °C)

Der pKa-Wert dieses Gleichgewichts liegt bei etwa 7,5 [1]. Bei einem pH-Wert, der dem pKa entspricht, liegt das Chlor zur Hälfte als HOCl und zur Hälfte als OCl⁻ vor. Bei pH 6 sind rund 97 % des freien Chlors HOCl; bei pH 8 sinkt dieser Anteil auf rund 26 %, bei pH 9 auf rund 3 %.

Die praktische Folge: Derselbe Messwert für freies Chlor bedeutet bei unterschiedlichem pH eine sehr unterschiedliche Desinfektionswirkung. Wer Chlor misst, muss deshalb auch den pH-Wert messen.

0 % 25 % 50 % 75 % 100 % 45678910 pH pKa ≈ 7,5 97 % 78 % 26 % 3 %
  • HOCl (hypochlorige Säure)
  • OCl⁻ (Hypochlorit-Ion)
  • Anteil am freien Chlor (%)
FIG. 03 · VERTEILUNG DES FREIEN CHLORS NACH pH Die Kurve wurde mit der Dissoziationskonstante aus Fair et al. (1948) berechnet (pKa ≈ 7,5, 25 °C).
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Warum ist HOCl wirksamer?

Hypochlorige Säure ist ein kleines, ungeladenes Molekül; sie durchdringt Zellwand und Zellmembran von Mikroorganismen leicht. Das Hypochlorit-Ion dagegen ist negativ geladen und wird von der ebenfalls negativ geladenen Oberfläche der Keime abgestoßen.

In der Zelle oxidiert HOCl schwefelhaltige Gruppen in Enzymen, Proteine und Nukleinsäuren und legt so die Zellfunktion still. Auch die Neutrophilen des menschlichen Immunsystems bilden dieses Oxidationsmittel zur Abwehr von Keimen; dass es in Anwendungskonzentrationen das Gewebe nicht reizt, ist daher nicht überraschend [7].

Das Standardmaß für die Stärke einer Desinfektion ist der CT-Wert: das Produkt aus Desinfektionsmittelkonzentration (C) und Kontaktzeit (T). Die offiziellen Tabellen der US-Umweltschutzbehörde EPA zeigen, wie der erforderliche CT-Wert bei gleicher Temperatur und gleichem freien Chlor mit steigendem pH zunimmt [2].

  1. pH 6 79 mg·min/L
  2. pH 7 112 mg·min/L
  3. pH 8 162 mg·min/L
  4. pH 9 234 mg·min/L
FIG. 04 · ERFORDERLICHER CT-WERT NACH pH 3-log-Inaktivierung von Giardia, 10 °C, 1,0 mg/L freies Chlor. Quelle: US EPA, CT-Tabellen des LT1ESWTR (2003).
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Redoxpotenzial (ORP): Maß für die Oxidationskraft

Das ORP (Oxidations-Reduktions-Potenzial) gibt die Neigung einer Lösung, Elektronen aufzunehmen, in Millivolt (mV) an und wird gegen eine Referenzelektrode gemessen. Je höher der Wert, desto stärker oxidierend ist die Lösung.

Für die Wirksamkeit von elektrolytisch erzeugtem oxidierendem Wasser ist nachweislich eher das ORP die entscheidende Größe als pH-Wert oder Restchlor [4]. Deshalb wird das ORP in Anlagen zur Vor-Ort-Erzeugung zusammen mit freiem Chlor und pH-Wert überwacht, um die Dosierung zu steuern. Da das ORP vom pH-Wert beeinflusst wird, wird es nicht für sich allein, sondern im Zusammenhang mit diesen Messwerten interpretiert.

FIG. 05 · PROFIL DES ANOLYTS
Zusammensetzung des Anolyts aus dem Aquamirus E.C.A.-System

Herstellerangabe. Der Wirkstoff ist keine Einzelverbindung, sondern ein metastabiles Oxidationsmittelgemisch. Gesamtwirkstoffkonzentration 0,5 ± 0,05 g/L; gelöste anorganische Bestandteile liegen unter 0,09 %.

Formel Bestandteil Anteil
HOCl Hypochlorige Säure 80 – 95 %
H₂O₂ · Hydroperoxid-Verbindungen 3 – 8 %
ClO₂ Chlordioxid 1 – 7 %
O₂⁻ · O₃ Superoxid und weitere Peroxide 1 – 5 %
Kennwerte (Herstellerangabe)
1200 mV Redoxpotenzial

Ein hohes ORP zeigt eine starke Oxidationsneigung an.

5 – 15 s Kontaktzeit

Vom Hersteller angegebene Einwirkzeit; in der Praxis zusammen mit dem CT-Wert zu bewerten.

5,0 – 6,5 pH-Bereich

Nahezu neutraler Bereich, in dem HOCl überwiegt.

0,5 g/L Wirkstoffkonzentration

Gesamtdichte der Wirkstoffe (0,5 ± 0,05 g/L).

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Biofilm: Warum reicht eine höhere Dosis nicht?

Ein Biofilm ist eine Gemeinschaft von Mikroorganismen, die sich auf Rohr- und Tankoberflächen festsetzen und durch eine selbst gebildete Matrix geschützt sind. Oberflächengebundene Bakterien erwiesen sich gegenüber hypochloriger Säure als 150- bis 3.000-mal widerstandsfähiger als frei schwimmende Zellen. Dieselbe Studie zeigte, dass der begrenzende Faktor der Transport des Desinfektionsmittels in den Biofilm ist und eine höhere Dosis die Wirksamkeit nicht steigert [3].

Dass Bakterien im Leitungswasser trotz Chlor überleben, hängt mit der Anhaftung an Oberflächen, dem Schutz in Partikeln und der Anpassung durch frühere Exposition zusammen; der gemessene Restgehalt allein garantiert keine Sicherheit [10]. Auch bei Legionellen wird das Risiko nicht über Einzelmessungen beherrscht, sondern über einen Wassersicherheitsplan, der einen dauerhaften Desinfektionsmittel-Restgehalt einschließt [9].

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Nebenprodukte: Warum Lagerung und Dosis zählen

In gelagerten Natriumhypochloritlösungen bilden sich nach der Herstellung Oxyhalogenide wie Chlorat, Bromat und Perchlorat. Die Bildungsrate hängt von Temperatur, Ionenstärke, Hypochloritkonzentration und Übergangsmetallen ab; während das Fertigprodukt über seine Haltbarkeit hinweg an Wirkung verliert, nimmt also die Belastung mit Nebenprodukten zu [5].

Die Bildung von Desinfektionsnebenprodukten (zum Beispiel Trihalomethanen) hängt dagegen von Kontaktzeit und Dosis des Desinfektionsmittels mit organischem Material im Wasser ab [6]. Die richtige Dosis an der richtigen Stelle ist deshalb nicht nur eine Frage der Effizienz, sondern der Wasserqualität.

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Verfahren im Vergleich

KriteriumVor Ort erzeugter Anolyt (ECA)Fertiges NatriumhypochloritChlorgas
Wirksame FormÜberwiegend HOCl; pH im Bereich, in dem HOCl überwiegtProdukt ist alkalisch; Wirkung hängt vom pH des Wassers abBildet im Wasser HOCl und HCl
Transport und LagerungEntfällt; Erzeugung vor OrtGefahrstoff; begrenzte HaltbarkeitDruckgas; besondere Sicherheitsvorkehrungen
Nebenprodukte bei LagerungFrisch erzeugt, keine lange LagerungChlorat und Perchlorat können sich anreichern [5]Nicht zutreffend
EinsatzstoffeSalz, Wasser, StromLaufende ChemikalienlieferungLaufende Lieferung und Sicherheitsinfrastruktur
Zweites ProduktKatolyt (NaOH) nutzbarKeinesKeines
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Wie funktioniert es in einer Anlage?

Die Zelle allein ist noch kein System. Unten sehen Sie die Komponenten einer Anlage zur Vor-Ort-Erzeugung, von der Aufbereitung des Speisewassers bis zur Dosierstelle. Fahren Sie mit der Maus über eine Komponente oder tippen Sie sie an, um ihre Aufgabe zu sehen.

  • Netz / Hauptleitung
  • Speisewasser
  • Sole
  • HOCl (Anolyt)
  • NaOH (Katholyt)
  • Mess- und Steuersignal

Fahren Sie über ein Bauteil oder tippen Sie darauf, um die Erklärung zu sehen.

NaCl + − H₂ HOCl NaOH Aquamirus E.C.A. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
FIG. 06 · SYSTEMFLUSS DES AQUAMIRUS E.C.A.-SYSTEMS
  1. Hauptleitung

    Das zu desinfizierende Netz, der Speicher oder die Prozessleitung.

  2. Zulauf

    Wasser, das über Ventil und Druckminderer in das System gelangt.

  3. Mechanischer Filter

    Hält Schwebstoffe zurück und schützt die Zelle.

  4. Enthärtungsanlage

    Entfernt die Härte und verhindert Kalkablagerungen an den Elektroden.

  5. Soletank

    Natriumchloridlösung (NaCl) wird angesetzt und der Zelle zugeführt.

  6. Aquamirus E.C.A.-Einheit

    Diaphragma-Elektrolysezelle: HOCl an der Anode, NaOH an der Kathode.

  7. HOCl-Tank

    Der Anolyt sammelt sich in einem Tank mit Füllstandssensoren; sinkt der Pegel, startet die Erzeugung erneut.

  8. NaOH-Tank

    Der Katholyt (Natronlauge) sammelt sich in einem separaten Tank.

  9. Dosierpumpe

    Gibt HOCl nach gemessenem Bedarf in die Hauptleitung.

  10. Durchflussmesser

    Misst den Durchfluss der Leitung; die Dosierung erfolgt proportional dazu.

  11. Freies Chlor / Redox

    Nach der Dosierung wird freies Chlor oder Redox gemessen und die Dosis nachgeregelt.

  12. Steuerung und Fernüberwachung

    Mess-, Erzeugungs- und Dosierdaten werden an einem Panel und aus der Ferne verfolgt.

  13. H₂-Ableitung

    Wasserstoff wird sicher abgeleitet.

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Glossar

Elektrochemische Aktivierung (ECA)
Elektrolyse einer verdünnten Salzlösung in einer Diaphragmazelle, bei der zwei getrennte Lösungen entstehen: Anolyt und Katolyt.
Elektrolyse
Auslösen einer chemischen Reaktion, indem Gleichstrom durch eine ionenhaltige Lösung geleitet wird.
Anode (+)
Positive Elektrode; hier findet die Oxidation statt. Bei der ECA entsteht hier HOCl.
Kathode (−)
Negative Elektrode; hier findet die Reduktion statt. Bei der ECA entstehen hier NaOH und Wasserstoff.
Diaphragma
Poröser Separator, der Anoden- und Kathodenraum trennt und Ionen passieren lässt.
Anolyt
Oxidierende, HOCl-reiche Lösung aus dem Anodenraum.
Katolyt
Alkalische, natriumhydroxidhaltige Lösung aus dem Kathodenraum.
Freies Chlor
Summe aus HOCl und OCl⁻ im Wasser. Gebundenes Chlor (Chloramine) zählt nicht dazu.
Gebundenes Chlor (Chloramin)
Verbindungen von Chlor mit Ammoniak und stickstoffhaltigen organischen Stoffen; Hauptursache für den „Chlorgeruch“ in Schwimmbädern.
pKa
pH-Wert, bei dem eine Säure zur Hälfte dissoziiert ist. Für HOCl etwa 7,5.
CT-Wert
Produkt aus Desinfektionsmittelkonzentration (mg/L) und Kontaktzeit (min); die „Dosis“, die für eine bestimmte mikrobielle Reduktion nötig ist.
Log-Reduktion
Verringerung der Keimzahl in Zehnerpotenzen: 3-log = 99,9 %, 4-log = 99,99 %.
ORP (Redoxpotenzial)
Oxidations- bzw. Reduktionsneigung einer Lösung; gemessen in mV.
Biofilm
An Oberflächen haftende Gemeinschaft von Mikroorganismen, geschützt durch eine selbst gebildete Matrix.
Stromausbeute
Anteil der durch die Zelle geflossenen Ladung, der in das gewünschte Produkt umgesetzt wird.
Metastabil
Zustand, der eine Zeit lang wirksam bleibt, mit der Zeit aber in stabilere (und weniger wirksame) Formen übergeht; der Grund, warum Anolyt frisch verwendet wird.
NTU
Einheit der Trübung (nephelometrische Trübungseinheit).

Quellen

Die in diesem Beitrag zitierten begutachteten Studien und amtlichen Leitfäden. Jede Angabe wurde anhand des Primärnachweises geprüft.

  1. Fair, G. M., Morris, J. C., Chang, S. L., Weil, I., Burden, R. P. (1948). The Behavior of Chlorine as a Water Disinfectant. Journal AWWA, 40(10), 1051–1061.

    Was diese Quelle belegt: Die grundlegende Arbeit zum HOCl-⇌-OCl⁻-Gleichgewicht im Wasser und zu dessen pH-Abhängigkeit. Die Dissoziationskonstante (pKa ≈ 7,5) erlaubt es zu berechnen, welcher Anteil des freien Chlors tatsächlich in der wirksamen Form vorliegt.

  2. U.S. Environmental Protection Agency (2003). LT1ESWTR Disinfection Profiling and Benchmarking Technical Guidance Manual — Appendix B: CT Tables. EPA Office of Water, EPA 816-R-03-004.

    Was diese Quelle belegt: Die amtlichen CT-Tabellen (Konzentration × Kontaktzeit) für freies Chlor. Bei 10 °C und 1,0 mg/L erfordert eine 3-log-Inaktivierung von Giardia 79 mg·min/L bei pH 6, 162 bei pH 8 und 234 bei pH 9 — die nötige Dosis verdoppelt bis verdreifacht sich allein durch den pH-Wert.

  3. LeChevallier, M. W., Cawthon, C. D., Lee, R. G. (1988). Inactivation of Biofilm Bacteria. Applied and Environmental Microbiology, 54(10), 2492–2499.

    Was diese Quelle belegt: An Oberflächen haftende Biofilmbakterien erwiesen sich als 150- bis über 3.000-mal resistenter gegenüber hypochloriger Säure als freischwebende Zellen. Die Studie zeigte zudem, dass der Transport des Desinfektionsmittels in den Biofilm der limitierende Faktor ist — weshalb eine höhere Chlordosis die Wirksamkeit nicht steigert.

  4. Kim, C., Hung, Y.-C., Brackett, R. E. (2000). Roles of Oxidation–Reduction Potential in Electrolyzed Oxidizing and Chemically Modified Water for the Inactivation of Food-Related Pathogens. Journal of Food Protection, 63(1), 19–24.

    Was diese Quelle belegt: Trennt die Wirkvariablen von elektrolytisch erzeugtem oxidierendem Wasser auf und zeigt, dass das Redoxpotenzial (ORP) — mehr als pH oder Restchlor — die Inaktivierung bestimmt. Das begründet die Überwachung des Redoxpotenzials als eigenständigen Prozessparameter.

  5. Stanford, B. D., Pisarenko, A. N., Snyder, S. A., Gordon, G. (2011). Perchlorate, Bromate, and Chlorate in Hypochlorite Solutions: Guidelines for Utilities. Journal AWWA, 103(6), 71–83.

    Was diese Quelle belegt: Belegt, dass sich in gelagertem Natriumhypochlorit nach der Herstellung Oxyhalogenide — Chlorat, Bromat und Perchlorat — bilden, mit Raten abhängig von Temperatur, Ionenstärke, Hypochloritkonzentration und Übergangsmetallen. Ein direkter Nachweis, dass Fertigchemikalie im Lager an Wirkung verliert, während die Nebenproduktlast steigt.

  6. Richardson, S. D., Plewa, M. J., Wagner, E. D., Schoeny, R., DeMarini, D. M. (2007). Occurrence, Genotoxicity, and Carcinogenicity of Regulated and Emerging Disinfection By-Products in Drinking Water: A Review and Roadmap for Research. Mutation Research — Reviews in Mutation Research, 636(1–3), 178–242.

    Was diese Quelle belegt: Die Referenzübersicht zu Desinfektionsnebenprodukten im Trinkwasser. Sie zeigt, dass die Bildung von Nebenprodukten mit Dosis und Kontaktzeit des Desinfektionsmittels mit organischem Material zusammenhängt — weshalb die richtige Dosis am richtigen Punkt eine Frage der Wasserqualität ist, nicht nur der Effizienz.

  7. Block, M. S., Rowan, B. G. (2020). Hypochlorous Acid: A Review. Journal of Oral and Maxillofacial Surgery, 78(9), 1461–1466.

    Was diese Quelle belegt: Eine medizinische Übersichtsarbeit, die belegt, dass hypochlorige Säure natürlicherweise von Neutrophilen gebildet wird und in Anwendungskonzentrationen für menschliches Gewebe nicht reizend ist, dabei aber breite antimikrobielle Wirksamkeit behält.

  8. Rahman, S. M. E., Khan, I., Oh, D.-H. (2016). Electrolyzed Water as a Novel Sanitizer in the Food Industry: Current Trends and Future Perspectives. Comprehensive Reviews in Food Science and Food Safety, 15(3), 471–490.

    Was diese Quelle belegt: Eine begutachtete Übersichtsarbeit zu elektrolysiertem Wasser in der Lebensmittelindustrie. Sie kommt zu dem Schluss, dass Salz der einzige chemische Einsatzstoff ist, die Erzeugung am Einsatzort erfolgen kann und das Verfahren gegenüber konventionellen Reinigungssystemen Kosten- und Umweltvorteile bietet.

  9. World Health Organization (2007). Legionella and the Prevention of Legionellosis. WHO, Geneva.

    Was diese Quelle belegt: Der WHO-Leitfaden, der festlegt, dass das Legionellenrisiko über einen gebäudeweiten Wassersicherheitsplan statt über Einzelbeprobungen gesteuert wird. Als Kernmaßnahmen nennt er Temperaturführung, Beseitigung von Totleitungen und einen kontinuierlichen Desinfektionsmittelrest.

  10. LeChevallier, M. W., Cawthon, C. D., Lee, R. G. (1988). Factors Promoting Survival of Bacteria in Chlorinated Water Supplies. Applied and Environmental Microbiology, 54(3), 649–654.

    Was diese Quelle belegt: Benennt die Faktoren, die das Überleben von Bakterien trotz Chlorung im Verteilnetz ermöglichen — Anhaftung an Oberflächen, Schutz in Partikeln und Anpassung durch frühere Exposition. Ein gemessener freier Chlorrest allein garantiert demnach keine mikrobiologische Sicherheit.

FAQ

Häufige Fragen

Ist hypochlorige Säure etwas anderes als Chlor?

Hypochlorige Säure ist eine der Formen, in denen Chlor im Wasser vorliegt, und trägt den Großteil der Desinfektionswirkung. Wird Chlor ins Wasser gegeben, verteilt es sich je nach pH-Wert auf HOCl und OCl⁻; unterhalb von pH 7,5 überwiegt HOCl.

Sind Anolyt und Natriumhypochlorit dasselbe?

Nein. Hypochlorit ist eine alkalische Lösung, in der das freie Chlor überwiegend als schwächer wirksames OCl⁻ vorliegt. Der in der Diaphragmazelle erzeugte Anolyt hat dagegen einen niedrigeren pH-Wert und besteht überwiegend aus HOCl.

Ist der Katolyt ein Abfallprodukt?

Nein. Der Katolyt ist eine alkalische, natriumhydroxidhaltige Lösung; er kann im Betrieb für die alkalische Reinigung und in geeigneten Prozessen zur pH-Korrektur genutzt werden.

Warum muss auch der pH-Wert gemessen werden?

Weil derselbe Wert für freies Chlor bei unterschiedlichem pH einen unterschiedlichen HOCl-Anteil enthält. Mit steigendem pH steigt der CT-Wert, der für dieselbe Wirkung nötig ist.

Woraus setzen sich die Betriebskosten zusammen?

Bei der Vor-Ort-Erzeugung sind Salz und Strom die wesentlichen Einsatzstoffe. Genaue Werte werden bei der Auslegung anhand der Kapazität und des Strompreises berechnet.

Prüfen wir die Technologie für Ihre Anlage.

Senden Sie uns Ihre Wasseranalyse und Ihre Verwendungsstellen; unser technisches Team plant mit Ihnen die passende Anlage zur Vor-Ort-Erzeugung.